gefördert von der
Europäischen Union
Träger des
europäischen Sprachensiegels 2007
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Sprachoffensive

Die EUREGIO EGRENSIS startete im November 2005 eine Sprachoffensive mit dem Ziel, die Sprachkompetenz als Standortvorteil ins Bewusstsein zu rücken. Eine zentrale Voraussetzung, um die grenzüberschreitenden Beziehungen zwischen Deutschen und Tschechen zu intensivieren, ist die Fähigkeit der Menschen, miteinander zu kommunizieren. Erst ausreichende Sprachkenntnisse ermöglichen es dem Einzelnen, mit seinem Nachbarn in Kontakt zu treten, eine aktive Zusammenarbeit aufzubauen und diese aus eigener Kraft aufrecht zu erhalten.

Čechiš ist gár nicht zó švér! Rechtzeitig zum Start der Sprachoffensive „enthüllte“ die EUREGIO EGRENSIS das dazugehörige, attraktive neue Logo: zwei miteinander sprechende Köpfe. Sie werden alle euregionalen Aktionen, die den Erwerb tschechischer Sprachkenntnisse fördern, kenntlich machen und auszeichnen. Die Zeit ist reif für ein Gespräch mit den Nachbarn – und die tschechische Sprache ist leichter zu lernen, als man denkt.

Zum Ausbau des grenzüberschreitenden Handels mit Waren und Dienstleistungen werden sowohl in Tschechien wie in Deutschland zunehmend Arbeitskräfte benötigt, die die Sprache des jeweiligen Nachbarlandes beherrschen. Zwar können grobe Kommunikationsschwierigkeiten zeitweilig durch das Ausweichen in eine internationale Verkehrssprache wie Englisch ausgeglichen werden, beim Erschließen von Absatzmärkten jenseits der Grenze kommt aber der Sprache des Importlandes eine herausragende Bedeutung zu. Gerade für kleine und mittlere Betriebe ist die vertrauensvolle Verständigung mit dem Kunden eine Frage der Existenz. Kundenbindung lässt sich am einfachsten in der Sprache des Konsumenten bzw. Nachfragers erreichen.

Stand der Sprachkenntnisse in der EUREGIO EGRENSIS

Leider stellt aber gerade im deutsch-tschechischen Grenzgebiet die sprachliche Hürde das größte Hemmnis bei der gegenseitigen Annäherung dar. Im Gebiet der EUREGIO EGRENSIS ist nur eine Minderheit dazu in der Lage, sich mit dem Nachbarn in dessen Sprache auszutauschen. Dabei fällt die sprachliche Kompetenzverteilung deutlich zu Ungunsten der deutschen Seite aus. Während sich immerhin 32 Prozent der Tschechen an Gesprächen auf Deutsch beteiligen können bzw. deutsche Texte verstehen (Konrad, s.u., S. 10), sind Deutsche in der Regel auf Dolmetscher und Sprachmittler angewiesen.

Im böhmischen Teil der EUREGIO EGRENSIS ist Deutsch – entgegen dem nationalen Trend – noch immer die an Schulen, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen am häufigsten gelehrte Fremdsprache. Wie im Rest der Tschechischen Republik ist aber das Englische auch im Karlsbader Bezirk und dem ehemaligen Landkreis Tachau auf dem Vormarsch. Hält die derzeitige Entwicklung an, werden 2008 erstmals mehr Schüler im tschechischen Teil der EUREGIO EGRENSIS Englisch lernen als Deutsch.

Im deutschen Teil der Euregio ist Englisch ohnehin die am meisten nachgefragte Fremdsprache. Auch wenn die Volkshochschulen seit dem Beitritt der Tschechischen Republik zur EU ein gestiegenes Interesse für die Sprache des Nachbarlandes registrieren, so fristet diese im Vergleich zu den Weltsprachen Englisch, Spanisch oder Französisch noch immer ein Exotendasein. Das geringe Interesse am Tschechischen erstreckt sich auch auf die staatlichen Schulen. Die ohnehin schon zaghaften Bemühungen der Kultusbehörden zur Förderung der Sprache scheitern häufig auch an der Skepsis vor Ort.

Vorbild Niederösterreich

Das jedoch die Nachfrage nach Kursen in der Sprache des Nachbarlandes gesteigert werden kann, zeigt ein Blick nach Österreich. Im Bundesland Niederösterreich wurde bereits im Herbst 2003 eine Sprachoffensive gestartet, durch die an Schulen das Sprachangebot in Tschechisch, Slowakisch und Ungarisch ausgeweitet wurde.

Zunächst wurde nur mit 600 Schülern gerechnet, die an diesen Sprachkursen (freiwillige Kurse, Wahlpflichtfächer) teilnehmen. Im Juni 2004 haben bereits 6.700 Schüler an den Kursen in Tschechisch (2.500), Slowakisch und Ungarisch teilgenommen. Aufgrund dieses Erfolgs wurde die Sprachoffensive auch auf die niederösterreichischen Kindergärten ausgeweitet, vor allem in den Grenzregionen. Im Januar 2005 wurde die Sprache des jeweiligen Nachbarn in 71 Kindergärten angeboten.

Zielsetzung der Sprachoffensive in der EUREGIO EGRENSIS

Die Zurückhaltung gegenüber der Sprache des Nachbarlandes schränkt die Entwicklungsmöglichkeiten, die den Menschen in der EUREGIO EGRENSIS aus der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit erwachsen könnten, enorm ein. Ziel der „Sprachoffensive Tschechisch / Sprachoffensive Deutsch“ ist es daher, die interkulturelle Kompetenz im Gebiet der EUREGIO EGRENSIS zu erhöhen. Um eine ausreichende Verständigungsfähigkeit von Deutschen und Tschechen herzustellen, ist es aber nicht notwendig, die Sprache des Nachbarlandes perfekt zu erlernen. Schon der Erwerb von Grundkenntnissen ist für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit hilfreich.

Die Sprachoffensive besteht aus drei Schwerpunkten:

  1. Bewusstsein erzeugen, Überzeugungsarbeit leisten, Nachfrage wecken
    Vorrangig ist es notwendig, in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein für die Wichtigkeit der Sprache des Nachbarlandes im Hinblick auf den entstehenden gemeinsamen Wirtschaftsraum zu erzeugen. Durch intensive Zusammenarbeit mit den Medien sowie durch Gewinnung von Multiplikatoren soll der Stellenwert der Sprache des Nachbarn erhöht werden (Lobbyarbeit).
  2. Gute Beispiele aufzeigen, dokumentieren und vernetzen, Erfahrungsaustausch intensivieren
    Die zahlreichen Initiativen, Angebote und Projekte, die bereits im Bereich der Sprachvermittlung existieren, sollen dokumentiert und vernetzt werden. Somit erhalten einerseits die Lernwilligen einen Gesamtüberblick über die vorhandenen Möglichkeiten, Sprachkenntnisse zu erwerben und zu vertiefen. Andererseits dient der Erfahrungsaustausch unter Lehrenden der Verbesserung der Lehrangebote (Vernetzung).
  3. Angebot erhöhen und fachlich unterstützen
    Die EUREGIO EGRENSIS trägt dazu bei, das Angebot an Sprachkursen zu erhöhen bzw. zu stabilisieren. Für Schulen, Kindergärten, Behörden oder Betriebe, die entsprechende Angebote planen, sollen Informationen, Lehrmaterialien und Medien bereitgestellt werden (Lehrmaterialien für den Sprachunterricht).

 

Erste Teilprojekte der Sprachoffensive - wie z.B. die Sprachanimation an Schulen, die Erweiterung des Portals "LinguaPorta" sowie der Erfahrungsaustausch für KursleiterInnen - werden aus Mitteln der Europäischen Union und durch den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds gefördert.

Europäisches Sprachensiegel 2007 für die Sprachoffensive der EUREGIO EGRENSIS

Für die „Sprachoffensive Tschechisch“ erhielt die Euregio im Dezember 2007 das „Europäische Sprachensiegel 2007“. Mit dem begehrten Sprachensiegel werden jedes Jahr bundesweit Projekte gewürdigt, die in besonders innovativer und vorbildlicher Weise dazu beitragen, das Lehren und Lernen von Fremdsprachen in Europa voranzubringen.
Verliehen wurde das Sprachensiegel – eine Urkunde, verbunden mit der Genehmigung, das Logo des Sprachensiegels offiziell zu führen – vom brandenburgischen Staatssekretär für Bildung, Burkhard Jungkamp, und dem Vorsitzenden der Jury, Prof. Dr. Hartmut Ebke von der Universität Tübingen. In der Laudatio wurde die Sprachoffensive der Euregio als besonders gelungenes Beispiel dafür gewürdigt, eine „schwere, kleine Nachbarsprache vor allem im Hinblick auf ihre Alltagstauglichkeit deutlich aufzuwerten“ und durch ganz konkrete Maßnahmen (wie z.B. Sprach-DVD, Sprachkursdatenbank usw.) Interesse und Nachfrage zu wecken, vor allem in Schulen. Abschließend heißt es in der Begründung: „Das Gesamtkonzept zur Förderung einer Nachbarsprache ‚Informieren – Begeistern – Vernetzen’ ist erfolgreich und nachahmenswert.“

weitere Informationen:
Konrad, H.: , Entwurf einer europäischen Sprachenordnung; in: ZIF 8 (2-3), 2003 (PDF 140 KB)
Henning, J.: Die Tschechen kommen - von unbekannten und unterschätzten Kunden; in: Wirtschaft konkret 12/05, S. 29ff.

 
© 2006 Lars Vollmar