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>> Presse, Berichte > Pressemitteilungen > 23.10.2008
Neue Handreichungen zum Geschichtsunterricht:
Damit das Zusammenleben gelingt: "Zukunft braucht Herkunft"
Von U. Geiger/Frankenpost
Seit der Völkerwanderung vor 1500 Jahren sind Bayern und Böhmen Nachbarn. Seit rund 20 Jahren können sie auf eine ganz neue Weise zusammen ein friedliches Europa gestalten. Wie junge Menschen dafür im Geschichtsunterricht sensibilisiert werden können, zeigte am Montag ein Vortrag im Egerland-Kulturhaus: Oberstudiendirektor Ralf Kaulfuß stellte die Handreichung "Deutsche und Tschechen: Nachbarn - Gegner - Freunde" zahlreichen Vertretern von Schule, Erwachsenenbildung und Politik vor. Eingeladen hatte die Euregio Egrensis.
Die Bedeutung des Themas stellten sowohl Oberbürgermeisterin Dr. Birgit Seelbinder als auch Harald Ehm, Geschäftsführer der Euregio Egrensis, in ihren Grußworten heraus. Ein Netzwerk für den deutsch-tschechischen Erfahrungsaustausch werde seit Jahren aufgebaut, betonte Seelbinder. Nach langem Kampf gebe es endlich auch vom bayerischen Staat mehr Unterstützung für Schulen und Lehrkräfte. Dass man Sprache niemals losgelöst von interkultureller Kompetenz und Geschichtskenntnis betrachten dürfe, davon zeigte sich auch Ehm überzeugt. Der Beschluss des Bayerischen Landtags vom Juni dieses Jahres, der die Regierung zur Förderung genau dieser Schwerpunkte verpflichtet, zeige, dass man auf dem richtigen Weg sei.
"Wir haben hier Materialien für eine Generation konzipiert, die die Trennung nicht mehr am eigenen Leib erfahren hat", begann Kaulfuß seinen Vortrag: "Wie bringt man jungen Menschen dieses Thema nahe?" Seit der Öffnung des Eisernen Vorhangs hätten Millionen Deutsche Tschechien besucht, kämen aber manchmal über die nächste Tankstelle oder den günstigen Supermarkt nicht hinaus. Eine gewisse Asymetrie in der gegenseitigen Wahrnehmung sei zu beobachten: Während die Tschechen ganz genau verfolgen würden, was sich jenseits der Grenze tue, sei Tschechien für viele Deutsche nur ein Nachbarland unter vielen - "das nächste Ausland und das fernste Inland". Könne Verständigung aber gelingen, wenn man weder die eigene Geschichte noch die des anderen kenne? "Zukunft", zitierte Kaulfuß den Philosophen Bodo Marquardt, "braucht Herkunft!" Dabei dürfe man den jungen Menschen nicht im leider gängigen Stil "preußischer Geschichtsschreibung" nackte Daten vorsetzen, sondern müsse ihnen vielmehr zeigen, dass damit auch Emotionen, Schicksale, soziokulturelle Verwerfungen verbunden seien. "Es geht um die Vermittlung eines Erbes und um einen Brückenschlag", verdeutlichte Kaulfuß die Verantwortung der Schulen. Eine Fülle von Anregungen biete die hier vorgestellte Handreichung, die für Haupt- und Realschulen sowie für Gymnasien gedacht sei. Einzelne Unterrichtsbausteine ermöglichten es dem Pädagogen, seinen Unterricht dem Leistungsstand der Schüler anzupassen, die für sie ansprechendsten Themen auszuwählen und die nötige historische Tiefendimension erfahrbar zu machen. Die Palette reiche in dreizehn Bausteinen vom Thema "Stammen die Baiern aus Böhmen?" über Kaiser Karl IV., den Beginn des Dreißigjährigen Krieges, die Okkupationszeit, den "Prager Frühling" bis zur neuen Nachbarschaft in der Europäischen Union. Zugänge, auch ganz handlungsorientierte, gebe es genug. Warum nicht böhmisch miteinander kochen oder - ganz aktuell - die Verfilmung des Jugendbuchs "Krabat" von Otfried Preußler im Kino anschauen, das auf einer sorbischen Volkssage basiere?
Unschätzbar, so Kaulfuß, sei bei alldem das authentische Vorbild des Lehrers, dem es am Herzen liege, wie seine Schüler einmal ihren Beitrag im vereinten Europa leisten würden. Dies sei das Ziel der Handreichung "Deutsche und Tschechen" und diesen Wunsch gab Kaulfuß auch an sein Publikum weiter: "Eröffnen Sie der jungen Generation einen Weg zum Nachbarn!"
Nach dem Vortrag gab es Gelegenheit, die Ausstellung "Das verschwundene Egerland" zu besuchen, die noch bis zum 26. Oktober im Egerland-Kulturhaus in Marktredwitz zu sehen ist.
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