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>> Presse, Berichte > Pressemitteilungen > 25. August 2006

3. Forum Euregio Egrensis auf der Grenzenlose Gartenschau

„Die Bedeutung der Grenzregionen für die europäische Integration“

von Pit Fiedler

Das dritte, wieder gut besuchte Euregio-Egrensis-Forum thematisierte die wachsende Bedeutung der Grenzregionen für die europäische Integration. Unter der Moderation des BR-Korrespondenten Thomas Viewegh entfalteten die kompetenten Gesprächspartner dabei eine Geschichte, die das Zeug zur Erfolgsstory hat.

Allen voran Jens Gabbe, der bei der Frage nach der Entwicklung der Euregios auf einen ungewöhnlich reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann. Er fördert die Grenzregionen ja nun schon seit vier Jahrzehnten, und man kann sich gar nicht so recht vorstellen, dass er sein Amt als Generalsekretär der Arbeitsgemeinschaft Europäischer Grenzregionen mit Sitz in Gronau bald an seinen spanischen Nachfolger abgeben wird.

Das Rezept vitaler Euregios ist für Gabbe deshalb kein Geheimnis: „Erfolgreiche Zusammenschlüsse erfüllen die grenzüberschreitenden Bedürfnisse der Bevölkerung.“ Umgekehrt kennt er aber auch den Grund für das Scheitern mancher Euregios bei ihrer explosionsartigen Verbreitung über Europa seit den 50-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Gabbe: „Sie funktionierten nicht, weil sie nur mit Aussicht auf EU-Mittel gegründet wurden.“ Mit Stolz erwähnt er im Vorübergehen, dass es heute ungefähr 150 solcher Kooperationen gebe.

Der Frage, ob sich mit den Jahren eine euregionale Identität entwickeln würde, beantwortet Gabbe vorsichtig: „Bis zu einem gewissen Grad! Ein Marktredwitzer bleibt zuerst einmal ein Marktredwitzer. Dann folgen von unten nach oben weitere Identitäten bis hin zu der als Europäer.“

Ing. Jan Horník, Bürgermeister von Boží dar/Gottesgab im Erzgebirge und Mitglied des tschechischen Senats, der die Schaffung einer deutsch-tschechischen Euregio 1990 sofort als Chance begrüßt hatte, erinnert an den damaligen Widerstand der Prager Regierung und die in Tschechien bis heute weit verbreitete Europaskepsis. Eine Aufgabe für ihn als Senator sieht er darin, die Leistungen der Grenzregionen in Prag bekannt zu machen. Hornik: „Die Bürgermeister sind der Motor der Region - nicht nur die Politiker in Prag, Berlin oder München.“ Daraus ergibt sich allerdings, wie Horník bedauernd erläutert, ein Konflikt mit den gewählten Bezirksvertretern. „Sie fürchten um ihre Macht. Wer hat die Hand auf den EU-Mitteln?“

Von den Hindernissen auf dem Weg nach Europa weiß auch Dr. Hans F. Trunzer als Vertreter der IHK Oberfranken und Sprecher der ARGE28 - des Zusammenschlusses der Wirtschaftskammern entlang der Grenzen zu den mittel- und osteuropäischen EU-Beitrittsländern – zu erzählen. Trunzer betont, dass die inzwischen zwölfjährige Partnerschaft mit der Wirtschaftskammer in Sokolov hervorragend sei. Umso mehr beklagt er, dass viele sinnvolle Projekte nicht gemeinsam realisiert werden könnten, weil die Sokolover Kammer dazu personell und finanziell nicht entsprechend ausgestattet sei. Der Grund? In Tschechien gibt es keine Pflichtmitgliedschaft in der Kammer.

Eindringlich kommt Gabbe auf die „soziokulturelle Komponente“ im Leben einer Euregio zu sprechen, egal ob sie an der niederländischen oder tschechischen Grenze liege. Für ihn gilt: „Das Verständnis für den Nachbarn und die Erkenntnis, dass er anders ist, kann sich nur über die Sprache einstellen. Sprache ist der Schlüssel zur Integration.“ Gabbe fordert deshalb, dass Tschechisch schon an Grundschulen unterrichtet werden müsste. Wasser auf den Mühlen der bayerischen Euregio Egrensis, die mit der Sprachoffensive Tschechisch/Deutsch schon einen wesentlichen Beitrag zum Abbau des beklagten Defizits leistet. Landrat Haberkorn aus Tirschenreuth zeigt sich sichtlich enttäuscht „von der Blockade der bayerischen Staatsregierung gegen Tschechischunterricht“ u.a. an Grundschulen, und Bürgermeister Horník kennt die, allerdings in seinem Fall von „Prag“ verursachte Frustration ebenfalls.

Auf was sich die Euroregionen in der Förderperiode 2007-2012 einzurichten haben? Nach Peter Martin, Pressesprecher der regionalen Kommissionsvertretung in München, gibt es – neben finanziellen Umschichtungen – zum einen den inhaltlichen Schwerpunkt „Wachstum und Beschäftigung“ und zum anderen das Ziel, die bisher oftmals nur formale durch eine echte Zusammenarbeit der deutschen und tschechischen Projektträger zu ersetzen; Stichwort „Spiegelprojekt“. Doch genug der Details!

Gabbe verriet in seinem Schlusswort, warum ihn die Euregios von Anfang an faszinierten: „Sie sind ein Freiraum, in dem man noch etwas gestalten kann.“ Er blickt dabei gerade auf die Grenzenlose Gartenschau, die in Brüssel längst als Musterbeispiel für eine gelungene Kooperation zählt.

 
© 2006 Lars Vollmar