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>> Presse, Berichte > Pressemitteilungen > 27. Juli 2006
2. Euregio-Egrensis-Forum auf der Grenzenlose Gartenschau „Beim Reden kommen die Leut zamm“von Pit FiedlerIm Mittelpunkt des zweiten Euregio-Egrensis-Forums auf der Grenzenlosen Gartenschau stand die Frage, wie die Sprachhürde zwischen Deutschland und Tschechien genommen werden könnte. Harald Ehm, Geschäftsführer der bayerischen Euregio Egrensis und Initiator der Sprachoffensive Tschechisch/Deutsch, machte klar, warum wir uns damit beschäftigen müssen: „Immer mehr Unternehmer suchen schon heute - fünf Jahre vor der vollständigen Öffnung des Arbeitsmarktes - dringend nach Mitarbeitern mit Tschechischkenntnissen; zum Beispiel im Dienstleistungsbereich.“ Die Gesprächsrunde belegte, dass man in anderen Grenzregionen schon einige Schritte weiter ist. Dr. Roswitha Straihammer aus der St. Pöltener Denkfabrik präsentierte die „Sprachenoffensive“ Niederösterreich. Innerhalb von nur drei Jahren schlossen sich der Initiative u.a. 85 Kindergärten an. 13.000 Kinder lernen dort heute Tschechisch. Ein natürliches Interesse an den Sprachen der niederösterreichischen Nachbarn Tschechien, Slowakei und Ungarn gebe es allerdings nicht, stellte sie nüchtern fest. Man müsse das Interesse immer wieder neu wecken, durchaus auch mit werblichen Mitteln wie Postwurfsendungen. Auf eine nicht weniger erfolgreiche Sprachvermittlung blickte Bernd Wenzel, der Schulleiter des ersten und einzigen bilingualen Gymnasiums an der deutsch-tschechischen Grenze in Pirna zurück. Die zweisprachigen Abiturienten bzw. Maturanten – die ersten verließen die Schule 2004 - haben nach seiner Einschätzung einen „enormen Vorteil“ davon, - neben der Lingua franca Englisch - auch die Nischensprache Tschechisch zu beherrschen. Sie öffnete ihnen auf dem Arbeitsmarkt große Chancen. Das praktische Interesse an dem Projekt sei so groß, dass die Schüler von Betrieben inzwischen oft schon während der Schulzeit umworben würden. Kein Wunder, dass sich Dr. Birgit Seelbinder, die Präsidentin des bayerischen Teils der Euregio Egrensis, nach diesem Bericht in ihrem schon lang gehegten Wunsch bestätigt sah, in Bayern ein entsprechenden Gymnasiums zu gründen. Hier wurde allerdings schnell klar, dass – ganz anders als in Sachsen - viele schulische Initiativen in Bayern den politischen Rückhalt vermissen. Josef Rauch, der Konrektor der Volksschule Eslarn in der Oberpfalz und Organisator eines weit entwickelten grenzüberschreitenden Schulprojekts fasste seine Erfahrungen so zusammen: „Unser Projekt hat dem bayerischen Staat noch keinen Cent gekostet. Aber er hat alles, was wir bisher gemacht haben, sehr toleriert.“ Vor diesem Hintergrund ist der Entschluss des bayerischen Präsidiums der Euregio Egrensis verständlich, beim Land Bayern die politische Unterstützung für alle Aktivitäten zum Erwerb der tschechischen Sprachkompetenz einzufordern. In einer Einschätzung waren sich alle Teilnehmer einig: Je früher man Tschechisch (wie natürlich auch jede andere Sprache) lernt, desto besser. Barbara Bresslau, die am Goethe-Institut Prag für Deutschunterricht in Tschechien zuständig ist, berichtete aus ihrem reichen Erfahrungsschatz: „Kinder entwickeln im Unterschied zu Erwachsenen ganz schnell eine gemeinsame Sprache und lernen sprechend. Erwachsene schämen sich dagegen zu oft beim Tschechischsprechen und bleiben lieber stumm, als etwas Falsches zu sagen.“
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