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>> Presse, Berichte > Pressemitteilungen > 25. September 2004

Präsidium der bayerischen Arbeitsgemeinschaft der EUREGIO EGRENSIS bestätigt

„Aktuelle Fragen wichtiger als Vergangenheit“

Von Michael Neubauer, Frankenpost
Weiden „Wie wäre die EU-Osterweiterung verlaufen, wenn die Euregios nicht so hervorragende Vorarbeit geleistet hätten?“ – dieses in Frageform gekleidete Lob bestätigte die bayerische Arbeitsgemeinschaft der Euregio Egrensis in hohem Maße. Obendrein kam es aus berufenem Munde, denn Ministerialrat a. D. Dr. Rudolf Baer hat in der Münchner Staatskanzlei die Höhen und Tiefen in der Entwicklung dieses regionalen und doch internationalen bayerisch-böhmisch-sächsisch-thüringischen Nachbarschaftsbündnisses von vornherein begleitet, beeinflusst, unterstützt und auch geschützt. Dafür erhielt er bei der Hauptversammlung im Rathaus von Weiden die Goldene Ehrennadel der Euregio Egrensis.

Beifall bekam Baer auch für außergewöhnlich deutliche Worte zur Haltung der Sudetendeutschen. „Die Restitutionswünsche mancher Vertriebener sind mir nach 60 Jahren unverständlich, die aktuellen Fragen sind viel wichtiger als die der Vergangenheit“, betonte der Ex-Ministerialbeamte und warnte davor, die gute Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern zu gefährden.

Für diese nachdrückliche Mahnung dankte der tschechische Generalkonsul Karel Borůvka, der in seinem Gastreferat die Euregio Egrensis ebenfalls in hohen Tönen lobte und ihr einen Anteil daran zusprach, wenn heute die Verhältnisse zwischen Deutschen und Tschechen besser seien als jemals in der Geschichte der Nachbarvölker. „Die alte Weisheit ‚Ein guter Zaun macht gute Nachbarn´ gilt heute nicht mehr“, unterstrich der Diplomat. Vertrauen in Europa könne im Gegenteil nur auf der Basis einer funktionierenden regionalen Zusammenarbeit über die Grenzen hinweg wachsen. Borůvka war zuversichtlich, dass sich die großen Angstkomplexe der Deutschen wegen des Drucks auf den Arbeitsmarkt und der Tschechen wegen des Verlustes nationaler Souveränität als politische Popanze erweisen werden.

Zuvor hatte die bayerische Euregio-Präsidentin Dr. Birgit Seelbinder eine Bilanz der vielfältigen Aktivitäten gezogen und unter den vielen grenzüberschreitenden Projekten besonders den deutsch-tschechischen Kindergarten in Schirnding, die jährliche gemeinsame Militärpatrouille der Wehrbereichskommandos Pilsen, Chemnitz und Bayreuth sowie die „Gartenschau ohne Grenzen“ in Marktredwitz und Eger 2006 hervorgehoben. Ihr Fazit: „Die Euregio-Arbeit ist mit dem EU-Beitritt der Tschechischen Republik nicht überflüssig, sondern eher noch intensiver und qualitätvoller geworden.“ Sie appellierte an die Mitgliedsgemeinden und –landkreise, auch in Zeiten knapper Kassen die Euregio-Arbeit zu unterstützen und sie freute sich deshalb besonders, die Stadt Schwarzenbach an der Saale als neues Mitglied begrüßen zu können.

Der von Geschäftsführer Harald Ehm vorgetragene Haushalt für 2004 schließt in seinem Verwaltungsteil mit 716.200 Euro und in seinem Vermögensteil mit 23.000 Euro. Die Wahl des Präsidiums brachte keine Veränderungen. Bis zum Jahr 2008 wird die Marktredwitzer Oberbürgermeisterin Dr. Seelbinder die Arbeitsgemeinschaft führen, ihre Stellvertreter bleiben die Landräte Dr. Klaus-Günter Dietel aus Bayreuth und Karl Haberkorn aus Tirschenreuth. Ab 2008 soll die Amtszeit der Euregio-Gremien dann mit den kommunalen Wahlämtern synchronisiert werden.

 
© 2006 Lars Vollmar