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>> Presse, Berichte > Pressemitteilungen > 23. Juli 2003

Abschlusstreffen zum Gastschuljahr in der EUREGIO EGRENSIS

Über 200 Teilnehmer aus Tschechien

von Bettina Mosel, Marktredwitzer Tagblatt

MARKTREDWITZ – Eines der wichtigsten Projekte der Euregio Egrensis ist das bayerisch-tschechische Gastschuljahr. Darauf wies Oberbürgermeisterin Dr. Birgit Seelbinder beim diesjährigen Abschlusstreffen des Projektes „Euregio Egrensis-Gastschuljahr“ hin, das seit sieben Jahren läuft. Zu dem Treffen im Egerland-Kulturhaus waren Vertreter der beteiligten Gymnasien aus Bayern und Tschechien, Gastfamilien und Gastschüler eingeladen.

Projektbetreuerin Gabriela Zlamal (links) und die Präsidentin der bayerischen Arbeitsgemeinschaft der Euregio Egrensis, Dr. Birgit Seelbinder (rechts), mit einigen der Austauschschüler des zu Ende gehenden Schuljahres.

Das bayerisch-tschechische Gastschuljahr soll durch einen halb- oder ganzjährig dauernden Schüleraustausch zwischen deutschen und tschechischen Gymnasien das gegenseitige Kennenlernen und die Verständigung zwischen der Bevölkerung der Grenzregion fördern. Die tschechischen Jugendlichen bekommen so die Möglichkeit, die Kultur im bayerischen Grenzraum zu erleben und kennen zu lernen. Die Gastfamilie bekommt einen Einblick in die Traditionen und Lebensweisen der Tschechischen Republik. Getragen wird das Projekt von der Euregio Egrensis Arbeitsgemeinschaft Bayern, der Robert-Bosch-Stiftung, der Bayerischen Staatskanzlei, dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, privaten Sponsoren, dem Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus sowie den teilnehmenden Gymnasien. Als Gastschüler werden tschechische Schülerinnen und Schüler der 10. bis 12. Jahrgangsstufe aufgenommen.

Wie Dr. Seelbinder, die Präsidentin der bayerischen Arbeitsgemeinschaft der Euregio Egrensis, betonte, wurde das Angebot seit dem Jahr 1995 von mehr als 200 tschechischen Schülern genutzt. „Es ist ganz wichtig, dass sich die Menschen in unserer Grenzregion besser untereinander verstehen lernen und sich mit ihrer Unterschiedlichkeit akzeptieren“, sagte sie. Und weiter: „Wir sehen in diesen jungen Menschen die zukünftigen Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft.“ Außerdem habe es sich gezeigt, dass auch die deutschen Schüler vom Nachbarland profitieren und ihr Land dadurch besser kennen und verstehen lernen, so Seelbinder.

Im zu Ende gehenden Schuljahr nahmen in Bayern folgende Gymnasien an dem Projekt teil: Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium Bayreuth, Gymnasium Christian Ernestinum Bayreuth, Walter-Gropius-Gymnasium Selb, Luisenburg-Gymnasium Wunsiedel, Augustinus-Gymnasium Weiden, Elly-Heuß-Gymnasium Weiden, Max-Reger-Gymnasium Amberg und das Gymnasium Pegnitz.

„Ich hoffe, dass das heutige Treffen dazu dient, das Gastschulprojekt weiter zu verbessern. Alle Beteiligten lernen ständig dazu und gewinnen neue Erkenntnisse“, sagte die Präsidentin. Gabriela Zlamal, zuständige Projektbetreuerin bei der Euregio, erläuterte dann die Ergebnisse aus den Fragebögen, die die Gastschüler ausgefüllt hatten. Zusammenfassend könne man sagen, dass sich die Gastschüler bei ihren deutschen Familien sehr wohl gefühlt haben. Die Exkursionen nach Berlin und München seien sehr gut angekommen, dennoch hätten sich die Schüler weniger politische Informationen gewünscht. Die tschechischen Schüler hätten manchmal Probleme mit den deutschen Mitschülern, die sie als sehr zurückhaltend eingestuft hätten.

Bei der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass es ein Problem für die deutschen Lehrer ist, die tschechischen Schüler angemessen einzustufen und zu benoten. Ein besonderes Problem kommt auf die tschechischen Lehrer zu, die die deutschen Noten in ihr System übernehmen müssen, welches aber nur von Eins bis Fünf geht. Als problematisch bewerten die zuständigen Lehrer auch, dass in Tschechien kein Latein gelehrt wird. Was sollen also die Gastschüler während dieser Zeit tun? Eine Anregung beim Abschlusstreffen war auch, den Gastschülern zusätzliche Deutschstunden anzubieten. Wie einige der jungen Leute aus dem Nachbarland selbst erzählten, sei es für sie eine ganz neue Erfahrung gewesen, sich selbst Lernstoff aneignen zu müssen. Sie seien es vielmehr gewohnt, sich streng an die Vorgaben der Lehrer zu halten, was ihnen größere Sicherheit gebe. Was die jungen Menschen aus dem Nachbarland aber am meisten verwunderte war die Tatsache, dass es in Deutschland Leute gibt, die Tschechisch lernen. Und das noch freiwillig.

 
© 2006 Lars Vollmar